Autismus als politisches Mittel zur Diffamierung

Autist als Schimpfwort? Was zunächst absurd klingt ist leider Realität geworden. Mit Entsetzen und großem Bedauern musste ich in letzter Zeit gehäuft feststellen, dass die Begrifflichkeiten "Autist" oder "Autismus" zur Diffamierung politischer Gegner verwendet wurden.

So schrieb Vera Lengsfeld jüngst in einem Artikel über unsere Bundeskanzlerin Angela Merkel von einer "Autistin der Macht - Merkel sieht sich als alternativlos!". Dieser Beitrag ist im Netz leider immer noch unter diesem Titel zu finden, auch wenn der Original-Beitrag bereits abgeändert wurde.

Auch die Bayernpartei schrieb vor einiger Zeit von einem (sinngemäß) "autistischen Städtebau".

Wie es scheint wird Autismus aufgrund Unwissenheit oder Ignoranz gegenüber der Thematik als Synonym für "narzisstisch, engstirnig, beschränkt, dumm oder gar machtbesessen" verwendet. In welchen geistigen Abgründen man auf eine solche Einschätzung schlussfolgert, entzieht sich dabei allerdings meinem Verständnis.

Es darf nicht angehen, dass die Begrifflichkeiten des Autismus zur Diffamierung anderer Personen eingesetzt werden. Dieser inflationäre und unberechtigt negativ konnotierte Einsatz zur Beschreibung einer Person stellt eine Beleidigung für alle Autisten dar.

Eine Verwendung dieser Begriffe zur Diffamierung zeugt zudem nicht gerade von hohem journalistischen oder intellektuellen Niveau. Vielmehr ist diese Verwendung nicht nur beschämend für uns Autisten, sondern vor allem für die Verfasser der schmähenden Worte.

Meine Worte mögen hart gewählt sein. Aber dennoch muss hier eine klare Grenze gesetzt werden, die nicht überschritten werden darf. Eine Grenze des Anstands und des Respekts voreinander. Gerade in der journalistischen Arbeit und der Politik sind diese Tugenden essentiell. Bitte bedenkt dies und handelt danach.

Und euch liebe Leserinnen und Leser bitte ich:

Ignoriert es nicht, wenn ihr über solche Schmähworte stolpert. Kontaktiert die Verantwortlichen und weist sie auf ihren Fehltritt hin. Aber bitte ebenso mit Herz, wie auch mit Verstand. Wir erreichen nichts, wenn wir nicht ebenfalls ein gewisses Niveau halten.

In den beiden oben genannten Fällen wurden die Beiträge nach meiner Kritik daran korrigiert. Ihr seht also, dass man mit vernünftigen Worten durchaus etwas erreichen kann, zumindest wenn das Gegenüber ein Mindestmaß an Einsicht besitzt. Gebt daher nicht auf - gemeinsam sind wir stark!

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