Erfahrungen und Sichtweisen (Blog)

Ich persönlich finde es sehr schade und bin traurig darüber, wie manche Autisten versuchen, andere zu demontieren, nur weil sie deren Ansichten nicht verstehen oder respektieren können. Wir kämpfen doch alle im Grunde für das gleiche Ziel und persönliche Differenzen haben in diesem größeren Zusammenhang genauso wenig verloren, wie Neid oder Missgunst.

Doch leider ruft die Übernahme von Verantwortung auch immer wieder solche Persönlichkeiten an den Rand des Geschehens, die eben nur das im Sinn haben und man setzt sich zwangsläufig deren chronischer Kritik und Hetze aus. Richtig kann man es nämlich in den Augen derer ohnehin nicht machen.

Das ist auch nicht verwunderlich. Ist es doch auch viel einfacher, im Hintergrund (und manchmal auch Hinterhalt) darauf loszukritisieren und Stimmungsmache zu betreiben, als sich selbst die Hände schmutzig zu machen, Verantwortung für sein Tun zu übernehmen und manchmal auch eine unbequeme Stellung zu beziehen und dazu zu stehen.

So passiert es nun, dass wir als Projektgruppe Autisten (Autismus-Strategie-Bayern) und speziell wir Moderatoren einmal aufs Neue Angriffen von außen ausgesetzt sind. Nicht selten auch persönlicher Natur und unter der Gürtellinie.

Und dies, obwohl wir als Projektgruppe unser erdenklich Bestes tun, um aus dieser Strategie etwas positives für alle Autisten erwachsen zu lassen. Alles unter dem Gesichtspunkt, dass wir komplett ehrenamtlich arbeiten und unsere Freizeit in die Erarbeitung der Strategie investieren - ja, sogar Urlaub nehmen, um überhaupt mitwirken zu können. Aber wie heißt es so schön? Undank ist der Welten Lohn. Daher bin ich froh um den Rückhalt, den uns so viele Autisten entgegenbringen. Diese sind zwar nicht so laut, wie die vereinzelten Schreihälse, aber deutlich in der Überzahl. Ich danke euch allen für eurer Vertrauen. Wir werden weiterhin das Beste für alle Autisten geben.

Kritik ja - aber nur konstruktiv!

Die persönlichen Angriffe belasten mich dabei am Wenigsten. Diese kann ich wegstecken und ignorieren. Was mich wirklich traurig macht ist der Umstand, dass durch das Verbreiten von Halbwahrheiten und aus dem Kontext gerissenen Sätzen durch einzelne wenige Personen eine derart aufgehetzte Stimmung befeuert wird, die ein konstruktives Miteinander schon im Keim erstickt. Dabei leistet diese besondere Gruppe an Autisten allen Autisten mit ihrem Verhalten regelmäßig einen gewaltigen Bärendienst. Zeichnen sie auf Twitter doch genau das Bild, dem ich mit meiner Aufklärungsarbeit entgegentreten möchte. Nämlich ein Bild von Autisten, mit denen man tatsächlich nicht zusammenarbeiten kann und die zu keinem konstruktiven Diskurs fähig sind. Mit diesem geschürten Bild wäre es kein Wunder, wenn Autisten nicht ernst oder auf Augenhöhe wahrgenommen werden. Denn ein konstruktiver Diskurs wird nicht dadurch geführt, dass man im Rudel auf alles und jeden eindrischt, dessen Meinung man nicht verstehen kann.

Gaslighting zur Manipulation?

Die Vorgehensweise der Akteure ist dabei immer die gleiche und erinnert stark an "Gaslighting". Es stürzt sich eine Gruppe auf dich und stellt alles in Frage, was du sagst oder tust. Und zwar immer so, dass etwas falsches in konkrete Aussagen hineininterpretiert und / oder deine Aussage in einen falschen Kontext gebracht wird. Dies erzwingt natürlich eine Reaktion und Erklärung des Opfers, die dann umgehend mit derselben Methode traktiert wird. Dies passiert so lange, bis man dem Druck nicht mehr Stand hält und einknickt, oder die Konversation verlässt. Was einem natürlich ebenfalls negativ ausgelegt wird.

Respekt ist der Schlüssel des Miteinanders!

Ein respektvoller Umgang besteht darin, dass man auch eine andere Meinung des anderen respektiert und man sich sachlich über die Faktenlage unterhält und nach einem gemeinsamen Nenner sucht, auf dessen Basis man gemeinsam voranschreiten kann. Dies gelingt nicht immer, ist aber auch kein Freibrief für persönliche Angriffe und Diffamierungen! Noch verwerflicher ist es, nicht einmal zu versuchen, ein konstruktives Gespräch zu führen.

Bedenkt eines. Oft ist nicht die andere Ansicht falsch, sondern nur der eigene Horizont nicht offen genug, diese begreifen zu können. Man sollte also niemals aufhören, seinen eigenen Standpunkt immer wieder aufs Neue zu hinterfragen. Denn jede Ansicht ist nur so gut, wie ihre zugrunde liegenden Argumente und Fakten.

Es ist zudem nicht richtig, ständig uneingeschränktes Verständnis für sich selbst einzufordern, aber nicht mal ein Mindestmaß an Verständnis für andere aufzubringen.

Mit diesem Verhalten sabotiert ihr die Erarbeitung der Strategie, indem ihr unnötigen Druck aufbaut, Projektgruppenteilnehmer dadurch verunsichert und Kräfte bindet, die besser in die Projektarbeit investiert wären. Wenn die Strategie aus diesem Grund scheitert, die Erarbeitungsqualität darunter leidet oder wir Autisten wegen eurem Verhalten nicht mehr ernstgenommen werden, dann tragt ihr allein die Verantwortung dafür - nicht wir.

Abschied von Twitter

Aus diesen Gründen möchte ich an dieser Stelle meinen Austritt von Twitter verkünden. Ich erachte es als kontraproduktiv, wenn ich meine ohnehin begrenzten Kapazitäten in sinnlose Diskussionen oder durch die Abwehr unnötiger persönlicher Angriffe vergeude. Ich hoffe, meine Follower verzeihen mir diesen Schritt - natürlich dürft ihr meine Beiträge weiterhin gerne über diese Plattform teilen.

UPDATE 10.03.2019 - Antwortschreiben und Erklärung

Da es nun vermehrt zu aus dem Kontext gerissenen Zitaten unseres Antwortschreibens gekommen ist, haben wir uns entschlossen, dieses anonymisiert zu veröffentlichen. Dies schafft die geforderte Transparenz und zeigt, dass wir nichts zu verbergen haben.

Zudem möchte ich auch betonen, dass niemandem ein "Maulkorb" verpasst wurde. Es wurde lediglich in Abstimmung mit der Projektgruppe entschieden, dass nur der jeweilige Gruppenkonsens nach außen getragen werden darf, aber keine konkreten Aussagen einzelner Personen. Dies dient aber nicht einer Verschleierung, sondern zum Schutz der einzelnen Teilnehmer. Schließlich soll jeder seine eigenen Ansichten zu einem Thema frei äußern dürfen, ohne sich Angriffen von außen auszusetzen. Dass diese Maßnahme nötig ist, zeigt die aktuelle Situation recht deutlich. Es dürfen also durchaus einzelne Teilnehmer unserer Projektgruppe befragt werden und diese dürfen auch - im Sinne des Gruppenkonsens - Rede und Antwort stehen. Sollte es an irgendeiner Stelle zu anderslautenden Aussagen kommen, sind diese schlichtweg unwahr.

Auch wir als Moderatoren vertreten ausschließlich den Konsens der Gruppe und nicht unsere eigene Meinung, daher konnten wir zu den in der Anfrage gestellten Konsensfragen auch keine Antwort geben - schließlich müssen wir hierfür zuerst die Gruppe befragen, wie sie zu den Themen steht. Es ist also nicht so, dass wir keine weiteren Anfragen mehr möchten, sondern dass sich in Geduld geübt werden soll, bis wir uns melden. Nichts anderes haben wir mit dieser Formulierung gemeint. Es wäre schließlich auch nicht vertretbar gewesen, hätten wir zuerst den Konsens eingeholt und dann erst geantwortet. Da unsere Treffen sehr straff organisiert sind, um effektiv zu sein und diese zudem nicht zeitnah aufeinander folgen, hätte es Wochen bis zu einer Antwort unsererseits gedauert. Was sicher auch den Vorwurf zur Folge gehabt hätte, wir wären intransparent und würden nicht antworten.

Antwortschreiben

Sehr geehrte/r XY,

vielen Dank für Ihr bekundetes Interesse an der Projektgruppenarbeit im Rahmen der Erarbeitung einer Autismus-Strategie für den Freistaat Bayern.

Die Autismus-Strategie-Bayern wird in acht Projektgruppen in vier Schritten erarbeitet. Über die Webseite der Hochschule München https://www.sw.hm.edu/projekte_und_forschung/forschung/aktuelle_forschungsprojekte/autismus_strategie_bayern/index.de.html ist es möglich, sich jederzeit einen Überblick über den aktuellen Entwicklungsschritt der
Strategieentwicklung zu verschaffen. Derzeit werden die Ergebnisse der Erarbeitung der Problemskizze zusammengefasst und liegen uns noch nicht vor.

Wie Ihnen vielleicht bekannt ist, arbeiten alle paritätisch mitwirkenden Projektgruppenteilnehmer ehrenamtlich und in ihrer Freizeit an der Entwicklung der Autismus-Strategie für Bayern. Jede Projektgruppe trifft sich dazu viermal, diese Präsenztreffen müssen aus Zeitgründen straff strukturiert werden, um ein effizientes Arbeiten und ein qualitativ hochwertiges Ergebnis zu gewährleisten.

Gerne geben wir Ihnen im Rahmen unseres Gruppenkonsenses einen möglichst transparenten Einblick in die Arbeit unserer Projektgruppe.

Das Thema Schulbegleitung wurde bisher in verschiedenen Projektgruppen bearbeitet, da es ein übergreifendes und zentrales Themenfeld ist. Fragen zur Diagnostik und zur Forschung sind selbstverständlich ein Thema in der Strategieentwicklung und werden in der PG "Forschung" bearbeitet, bitte wenden Sie sich hierzu direkt an die entsprechenden PG Moderatoren. Die Strategie wird bislang nicht anhand von Handlungsfeldern erarbeitet, sondern die Themenfelder werden über die Lebensspanne in Bezug auf die Versorgung betrachtet.

Schritt 1: Ist-Stand-Erhebung

Im Zuge der Ist-Stands-Erhebung haben wir in den jeweiligen Projektgruppen ab Oktober 2018 Informationen darüber gesammelt, welche Leistungen oder Angebote für Autisten in
Bayern zur Verfügung stehen. Diese Erhebung war stets auf den Teilbereich ausgerichtet, die die jeweilige Projektgruppe abdecken soll. Konkret auf unsere eigene Projektgruppe bezogen war dies eine Erhebung, welche Selbsthilfegruppen es für Autisten in Bayern gibt und wie diese räumlich verteilt sind. Diese Datensammlung - bezogen auf alle Projektgruppen - diente der Übersicht und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sie sollte lediglich die Skizzierung der Problemlage unterstützen.

Schritt 2: Problemskizze

Hier waren alle Projektgruppen seit ca. Anfang des Jahres dazu angehalten, die Problemlagen aufzuzeigen, die in Zusammenhang mit dem Teilbereich stehen, für die die jeweiligen
Projektgruppen zuständig sind. Die Projektgruppen "Autisten" und "Angehörige" haben sich überdies mit dem Finden übergreifender Probleme in der Versorgungslage beschäftigt.

Direkt zuordenbare Problemlagen wurden in die entsprechenden, zuständigen Projektgruppen mit eingebracht. Zudem haben wir unsere übergreifenden Problemlagen im Zuge des Projektgruppentreffens "Versorgungsgrundsätze" den Moderatoren aller anderen Projektgruppen und den Vertretern der Kosten- und Leistungsträger vorgestellt. Sobald unserer Projektgruppe abschließend die Problemskizze der anderen Projektgruppen vorliegen, werden wir uns nochmals mit deren Inhalten befassen.

Schritt 3: Skizzieren eines Soll-Standes

Bei unserem nächsten Treffen im April 2019 wird es darum gehen zu beschreiben, wie der Soll-Stand zur Versorgungssituation für Autisten in Bayern auszusehen hat. Hier wird sich unsere Projektgruppe hauptsächlich um die Erarbeitung eines übergreifenden Soll-Standes bemühen, der dann ebenfalls an die zuständigen Projektgruppen weitergeleitet wird.
Wir werden Ihre Anregungen zu den entsprechenden Themenfeldern gerne in die Agenda unseres nächsten Projektgruppentreffens aufnehmen und im Zuge dessen besprechen.

Schritt 4: Formulierung konkreter Empfehlungen

Aus dem erarbeiteten Soll-Stand werden im Anschluss bis Juli diesen Jahres konkrete Empfehlungen formuliert, die in die Strategie einfließen sollen. Mit diesem Schritt endet auch
die aktive Phase der Erarbeitung in den Projektgruppen.

Die konkreten Ergebnisse mit den erarbeiteten Empfehlungen aus allen Projektgruppen werden im Nachgang in einem Online-Forum präsentiert, wo sie dann von möglichst vielen Autisten mit Wohnsitz in Bayern und deren Angehörigen diskutiert werden können, so dass die erarbeiteten Empfehlungen nochmals geprüft werden und der Konsens der Diskussionen Eingang in die Strategieempfehlungen finden kann. Zudem soll es über dieses Instrument ermöglicht werden, ggf. fehlende Aspekte in die Strategieempfehlungen einfließen zu lassen.

Die formulierten Empfehlungen werden im Zuge der Fachtagung der Hanns-Seidel-Stiftung am 19.11.2019 der Öffentlichkeit vorgestellt. Zum jetzigen Zeitpunkt können wir Ihnen also noch keine konkreten Vorschläge oder Ergebnisse zu den von Ihnen erfragten Themenbereichen mitteilen, da diese schlichtweg noch nicht vorhanden sind.

Sobald es etwas Neues zu berichten gibt, werden wir dies selbstverständlich tun. Bis dahin möchten wir Sie allerdings bitten, sich noch zu gedulden und von weiteren Anfragen
abzusehen, um unsere knappen zeitlichen Ressourcen nicht zu binden.

Um Ihre Frage nach der Positionierung der PG "Autisten" übergreifend zu beantworten: Die Grundhaltung unserer Projektgruppe spiegelt eine personenzentrierte Betrachtung zur
Gewährung von Unterstützungsleistungen wieder. Das heißt, dass der individuelle Unterstützungsbedarf die Grundlage zur Gewährung von Hilfen darstellen soll und nicht eine Betrachtung kompensierbarer Äußerlichkeiten (z.B. der sozialen Anpassungsschwierigkeiten). Eine starre Autismus-Strategie mit Lösungen "von der Stange" sehen wir als nicht zielführend an. Wir denken, dass nur eine flexible Strategie in der Lage sein wird, die Bedarfe von Autisten aus dem gesamten Spektrum abzudecken.

Wir können Ihnen versichern, dass wir uns unserer Verantwortung durchaus bewusst sind und alle Beteiligten ihr Bestmöglichstes tun, um die Strategieentwicklung in die richtigen Bahnen zu lenken, so dass sie zu einer signifikanten Verbesserung der Lebenssituation von Autisten in Bayern beitragen kann. Um das zu erreichen, werden wir auch weiterhin einen großen Teil unserer Freizeit in dieses Projekt investieren.

--
Mit freundlichen Grüßen

Silke Wanninger-Bachem
Thomas Schneider

Moderation / Koordination der Projektgruppe Autisten
Entwicklung einer Autismus-Strategie für Bayern

Ein Leserbrief auf "Ellas Blog - Leben mit Autismus" hat mich heute sehr berührt. Dort schreibt eine Mutter in direkten, aber herzergreifenden Worten, was es bedeutet, Mutter eines (ich nehme an) frühkindlichen Autisten zu sein und mit welchen Schwierigkeiten man sich oft auch im gesellschaftlichen Kontext konfrontiert sieht.

Diesen Brief zum Anlass nehmend möchte ich stellvertretend für all "unsere" Eltern Danke sagen. Danke für die große Leistung die Ihr tagtäglich erbringt und dies, obwohl ihr meist mehr Gegenwind als Wertschätzung erhaltet.

Danke, dass ihr dafür kämpft, uns ein lebenswertes Leben zu ermöglichen
Danke, dass ihr uns dennoch liebt, auch wenn wir euch oft zur Verzweiflung und an den Rand eurer Kräfte bringen
Danke, dass ihr stets für uns da seid, wenn wir euch am Dringendsten brauchen
Danke für alles. Wir lieben euch, auch wenn wir es euch oft nicht zeigen können, wenn das Chaos in unserem Kopf wieder einmal überhand nimmt
Danke für euer Verständnis!

Ich sage dies stellvertretend für alle, die selbst dazu nicht in der Lage sind und ich bin davon überzeugt, dass ich damit allen aus dem Herzen spreche!

Autisten sind nicht gesellig?
Autisten sind nicht teamfähig?
Autisten sind nicht effizient?
Autisten können keinen Spaß haben?

Einem stillen Beobachter unseres gestrigen Projektgruppentreffens hätten wir innerhalb kürzester Zeit beweisen können, dass all diese Vorurteile völliger Unfug sind.

Entscheidend sind die Rahmenbedingungen, innerhalb derer wir uns bewegen können. Passen diese, können wir durchaus eloquent, teamfähig und enorm produktiv sein.

Wir hätten den Außenstehenden beweisen können, wie gesellig wir sind und wie viel Spaß uns eine gesellschaftliche Interaktion bereiten kann.

Zumindest, wenn die Rahmenbedingungen passen... denn allein diese entscheiden darüber, wie gut wir uns Autisten in die soziale Gemeinschaft einfügen können.

Ihr bestimmt also, ob ihr uns dazugehören lasst oder nicht.

Ich sehe daher nicht nur die fertige Autismus-Strategie als Chance für die Verbesserung der Lebensqualität von Autisten, sondern bereits die Erarbeitung der Strategie.

Durch unsere aktive Mitarbeit in den einzelnen Projektgruppen und den äußerst produktiven Ergebnissen, die wir dort erzielen, sowie die Diskussionen, die wir dort auf Augenhöhe zu führen vermögen, führen wir den dort sitzenden Verantwortlichen nur allzu deutlich vor Augen, zu was Autisten zu leisten im Stande sind. Das ist die beste Aufklärung, die wir in diesem Rahmen leisten können.

Ich danke allen Mitgliedern der Projektgruppe Autisten für den tollen gestrigen Abend und freue mich schon auf das nächste Treffen und die gute Zusammenarbeit bis dahin. Selbstverständlich auch herzlichen Dank meiner Mitmoderatorin Silke für die tolle Zusammenarbeit :)

P.S. was allerdings niemand (kaum jemand) nach einem - selbst so tollen Abend - zu sehen bekommt ist die enorme Kraftanstrengung, die dieser erfordert. So fällt man zwar, wie jeder andere auch nach einem solchen Abend völlig erledigt ins Bett, ist aber nach dem erholsamen Schlaf keineswegs wieder regeneriert. Es Bedarf Tage der Regeneration, bis man sich wieder einigermaßen erholt hat und wieder auf der Höhe ist. Nur diese Art der Selbsthilfe regeln wir für uns selbst. Das sind die Tage, an denen wir "still" und "unsichtbar" für euch sind.

Die geplante bayerische Autismus-Strategie ist bei Autisten in aller Munde - auch weit über die Grenzen Bayerns hinaus. Viele blicken neugierig, aber teils auch argwöhnisch nach Bayern und fragen sich berechtigterweise, ob bei deren Erarbeitung auch wirklich alles im Sinne der Autisten geschieht. Schließlich geht es um unsere Zukunft und die Hoffnung, dass sich langfristig unsere Lebensqualität signifikant verbessern wird. Eine Ausrichtung der Strategie an die nicht-autistische Gesellschaft und wie es diese leichter mit Autisten haben könnte, wäre schließlich mehr als kontraproduktiv. Es wäre fatal - für jeden einzelnen von uns. Zudem darf die Strategie nicht nur einen bestimmten Teil des Spektrums im Fokus haben. Sie muss hingegen flexibel genug sein, um das komplette Spektrum abdecken zu können. Dies alles ist insbesondere wichtig, da die bayerische Autismus-Strategie durchaus auch Vorbildcharakter für eine bundesdeutsche Autismus-Strategie haben könnte.

Momentan ist es auf meiner Website ziemlich ruhig, was dem geschuldet ist, dass sich momentan sehr viel "unter der Haube" tut - daher entschuldigt es bitte, wenn ich manchmal etwas länger brauche, eure Zuschriften zu beantworten - das ist nicht böse gemeint!

Ich möchte mich an dieser Stelle auch für all' eure lieben Worte danken, die ihr mir auf so vielen Wegen zukommen lasst. Das ehrt mich sehr! Ihr seid spitze <3

Erarbeitung einer Autismus-Strategie für Bayern

Lasst mich euch einen kurzen Abriss geben über das, was sich momentan so alles in meinem Leben tut. Wie ihr sicher mitbekommen habt, bin ich Teil der Projektgruppe Autisten, die zusammen mit den anderen Projektgruppen an einer Autismus-Strategie für Bayern arbeitet. In unserer Projektgruppe bin ich zusammen mit meiner lieben Freundin Silke W.B. für die Koordination / Moderation der Gruppe zuständig und vertrete diese mit ihr in der Projektgruppe "Versorgungsgrundsätze", in der auch die Kostenträger sitzen.

Selbsthilfenetzwerk-Autismus

Im Zuge der Ist-Stands-Analyse und der Erhebung der Selbsthilfegruppen in Bayern sind uns einige starke Defizite aufgefallen. Zum Einen, dass es gerade im ländlichen Raum kaum Selbsthilfeangebote gibt und diese - falls vorhanden - kaum miteinander vernetzt sind. Zudem gibt es im Internet kaum Infos zu den Selbsthilfegruppen, bzw. ist es sehr mühsam, diese aufzufinden. Daher ist uns die Idee gekommen, aus den gewonnenen Daten eine Online-Plattform zu erstellen, auf der wir zum Einen eine Übersicht geben wollen, wo es Selbsthilfeangebote gibt und zum Anderen Tipps zur Gründung einer eigenen Selbsthilfegruppe zu geben. Wir wollen den Austausch zwischen den Gruppen fördern und diese miteinander vernetzen - schließlich verfolgen doch alle das gleiche Ziel. Momentan programmiere ich noch an den grundlegenden Funktionen und auch das Layout ist noch sehr konzeptionell (anbei ein Screenshot). In der finalen Version möchte ich auch die Beratungsstellen mit aufnehmen, so dass es eine zentrale Stelle für möglichst viele Informationen wird.

Wir möchten diese Plattform aber nicht nur für Bayern erstellen, sondern für ganz Deutschland. Hier seid Ihr nun gefragt. Wenn Ihr von einer Selbsthilfegruppe wisst oder selbst Teil davon seid, lasst es mich bitte wissen. Je mehr Daten wir im Vorfeld schon sammeln können, desto hilfreicher wird die Plattform von Anfang an - denn wir wollen nicht warten, bis die Autismus-Strategie endlich der Politik vorgestellt wird. Wir wollen Ergebnisse - und das sofort 😉

Autismus-Kompetenz-Netzwerk-Labertal

Ein weiteres Projekt, welches mir sehr am Herzen liegt, ist der Aufbau eines "Autismus-Kompetenz-Netzwerkes-Labertal". In Zusammenarbeit mit der Stadt Geiselhöring und dem 1. Bürgermeister Herbert Lichtinger (der mir von Anfang an volle Unterstützung zugesagt hat - ja selbst ich habe manchmal durchaus positive Worte für die Politik übrig 😉) möchte ich regelmäßige Treffen organisieren, um Autisten, Angehörige, Fachpersonal und interessierte Menschen an einen Tisch zu bekommen und einen offenen Austausch auf Augenhöhe zu ermöglichen. Ziel ist es, den enormen Wissensschatz, den Autisten und deren Angehörige im Laufe Ihres Lebens sammeln, den Fachkräften zur Verfügung zu stellen. Denn nur gut ausgebildetes Personal gewährleistet eine optimale Versorgung für Autisten. #VerständnisDurchAufklärung

Ich hoffe ich konnte euch einen kleinen Einblick in meine aktuellen Projekte geben und wünsche euch noch einen schönen Abend!

Aus einem Schreiben des Bayerischen Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales:

"In Bezug auf das Bundesteilhabegesetz können wir Ihnen mitteilen, dass das Bundesteilhabegesetz nicht nach der Art der Behinderung unterscheidet. Es stellt vielmehr den Menschen mit Behinderung und seine individuellen Bedürfnisse stärker in den Mittelpunkt."

Was in der Theorie gar nicht mal so schlecht klingt, ist in der Praxis jedoch kaum anzutreffen. Oder wie kann es sonst sein, dass vielen Autisten seit dem Inkrafttreten des Bundesteilhabegesetzes deutschlandweit deren GdB aberkannt oder ihre Pflegestufe zurückgestuft wurde?

Wie kann ein solches Gesetz überhaupt Anwendung bei Autisten finden, wenn der entscheidende Faktor bei der Gewährung eines GdB die Ausprägung der sozialen Defizite ist? Was ist mit den Autisten, die ihre sozialen Defizite mit hohem Kraftaufwand und auf Kosten ihrer Lebensqualität kompensieren können - sind wir weniger würdig, Unterstützung zu erfahren?

Wann hören wir endlich auf, Autisten zu benachteiligen, die selbst einen großen Teil zu ihrer eigenen Teilhabe an der Gesellschaft leisten können und dies auch Tag für Tag tun?

Wann hören wir endlich auf, Autisten in Schubladen packen zu wollen, die irgendjemand für sie definiert hatte, Ihnen aber eigentlich nicht gerecht werden?

Wann fangen wir endlich an, einfach zuzuhören?

Autismus ist anders als es nach außen hin den Anschein macht. Vor allem aber ist Autismus völlig anders, als ihr denkt.

Was Autisten nach außen hin zu zeigen vermögen ist lediglich das, was nach der kraftraubenden Kompensation der äußeren Einflüsse noch möglich ist.

Doch unterhalb der trügerischen Oberfläche - sichtbar nur für diejenigen, die sich die Zeit nehmen, genauer hinzusehen - steckt noch so viel mehr, das nur darauf wartet, endlich aus der Versenkung hervorbrechen zu dürfen.